Gewaltsame Ausschreitungen im Burgenland: Neues EU-Reiswerf-Verbot bei Hochzeiten entzürnt ganz Österreich

So will es der Brauch: Das Brautpaar tritt aus Standesamt oder Kirche hinaus und die Hochzeitsgesellschaft empfängt die Frischvermählten nach dem Ja-Wort, dabei regnet es Reiskörner, die gemäß alter Tradition die Fruchtbarkeit in der Ehe symbolisieren. Dieses besondere Brauchtum, das neben der Fruchtbarkeit auch Glück und Wohlstand für die Ehe symbolisiert, ist schon seit vielen Jahrzehnten ein Dorn im Auge vieler Gemeinden gewesen und auch in Österreich vielerorts verboten.

Die Kontroverse um einen alten Brauch, Fakt ist: Reiswerfen ist höchstgefährlich. Foto: Julian Beattie
Die Kontroverse um einen alten Brauch, Fakt ist: Reiswerfen ist höchstgefährlich. Foto: Julian Beattie

In den vergangenen Jahren konnten Brautpaare, die dennoch nicht auf diesen besonderen Akt nach der Trauzeremonie verzichten wollten, immer noch nach Städten umsehen, die diese spezielle Tradition nicht verbieten. Doch dies hat seit dieser Woche ein Ende, denn eine neue EU-Verordnung greift durch und verbietet Reiswerfen auf Hochzeiten und anderen Festlichkeiten in ganz Europa – Ausnahmen gibt es keine und bei Verstößen droht ein saftiges Bußgeld von mehreren hundert Euro.

Vielen nicht bewusst: Reiswerfer können andere Hochzeitsgäste oder sogar die Braut ernsthaft verletzen. Foto: Marta Vera
Vielen nicht bewusst: Reiswerfer können andere Hochzeitsgäste oder sogar die Braut ernsthaft verletzen. Foto: Marta Vera

“Ich befürworte natürlich das Reiswerf-Verbot“, erklärt Bruno Stipp, Bürgermeister der Gemeinde Oberpullendorf im Burgenland. “Jede Hochzeit, auf der Reis geworfen wurde, verursachte eine enorme Reinigungsgebühr, die meist nicht vom Brautpaar, sondern von der Gemeinde selbst getragen werden muss”, fährt er fort. Auch NABU-Vogelführer Florian Müller spricht sich klar gegen Reiswerfen aus: “Der ungekochte Reise ist hochschädlich für Tiere und kann zu schmerzhaften Verstopfungen führen”.

Nach Spaß sieht das nicht aus. Foto: Lechuga y Ruiz
Nach Spaß sieht das nicht aus. Foto: Lechuga y Ruiz

Viele weitere Gründe sprechen für das Reiswerf-Verbot, so führen EU-Abgeordnete vor allem auch die pure Verschwendung der Lebensmittel an und verweisen außerdem auf die erhöhte Verletzungsgefahr bei Hochzeiten: “Auf 90% aller Hochzeiten, bei denen mit Reis um sich geworfen wird, verletzen sich die Hochzeitsgäste und das sind nicht gerade harmlose Verletzungen, sondern teilweise auch Knochenbrüche, deren Behandlung sich über Monate hinziehen kann”, erklärt Francois Pellier, Mitverantwortlicher für die EU-Verordnung die am gestrigen Dienstag in Kraft getreten ist.

Auch eine Braut, die bei ihrer eigenen Hochzeit mehrere Zähne durch aggressive Reiswerfer verloren hat, meldet sich zu Wort: “Endlich greift jemand durch und verbietet diese unsinnige Tradition. Fruchtbarkeit hin oder her, Reis werfen ist gefährlich und gehört verboten!”

Wenn Bräute bei der Hochzeit Zähne verlieren, ist es Zeit, zu handeln. Foto: Adrian Bonet
Wenn Bräute bei der Hochzeit Zähne verlieren, ist es Zeit, zu handeln. Foto: Adrian Bonet

Die EU-Verordnung stößt aber auch in vielen Regionen Österreichs auf Unmut und obwohl es sich um einen harmlosen Hochzeitsbrauch handelt, haben sich inzwischen handfeste Streitigkeiten entwickelt, die vor allem von einer größeren Gruppierung, den Reiswerf-Liebhabern im Burgenland, gesteuert und angeführt wird. Zwischen der Gruppierung, die größtenteils aus Brautpaaren besteht, die in diesem Sommer getraut werden, und vielen Beamten und Stadträten im Burgenland, ist es zu Ausschreitungen gekommen, mehrere Beteiligte mussten wegen Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden.

Das gefährliche Werkzeug der aggressiven Reiswerfer im Burgenland. Foto: Cherry Waves
Das gefährliche Werkzeug der aggressiven Reiswerfer im Burgenland. Foto: Cherry Waves

Peter Löser, Schatzmeister und Sprecher der Gruppierung, hatte sich noch vor den Ausschreitungen klar positioniert: “Ich werde in diesem Sommer heiraten und da es meine Braut so will, soll Reis geworfen werden und da steht uns diese EU-Verordnung klar im Weg, deshalb protestieren wir, wenn nötig auch gewaltsam!” Auch Antje Weimar, Brautmutter, beteiligt sich an den Protesten und vertritt klar ihre Meinung: “An der Hochzeit meiner Großmutter wurde Reis geworfen, genauso wie an der Hochzeit meiner Mutter und meiner eigenen – deshalb kämpfe ich dafür, dass auch am Hochzeitstag meiner Sassi dieses Brauchtum weitergeführt wird!”

Nach den Ausschreitungen im Burgenland, die bis in die Nacht hineindauerten und von wüsten Beschimpfungen über Handgreiflichkeiten bis hin zu mehreren geplatzten Reissäcken reichten, bleibt die EU-Verordnung jedoch bestehen und verbietet ab jetzt das Reiswerfen in ganz Europa.

Die Angst davor, aus dem Standesamt oder der Kirche zu treten und ernsthaft verletzt zu werden, hat ein Ende. Foto: Lechuga y Ruiz
Die Angst davor, aus dem Standesamt oder der Kirche zu treten und ernsthaft verletzt zu werden, hat ein Ende. Foto: Lechuga y Ruiz

Also, liebe Brautpaare, falls Sie sich nicht im Rahmen des 1. April den aggressiven Reiswerf-Liebhabern im Burgenland anschließen wollen, sollten Sie sich nach Alternativen umsehen, auch Pasta, Maiskörner und M&M’s können einen speziellen Empfang bereiten und stehen (jedenfalls noch nicht) mit Ausschreitungen, Protesten und viel Missgunst in Verbindung.

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